Deutsche Archäologen helfen Jordaniern bei der Wiederentdeckung ihrer eigenen jahrtausendealten Geschichte

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Stolz stehen 14 jordanische und syrische Handwerker hinter ihren Werken. Es sind schneeweiße Kalksteinquader, Gesimse und Säulentrommeln aus jordanischem Kalkstein. All dies sind die Ergebnisse fast dreimonatiger Handarbeit im Rahmen des Trainingsprojektes in Gadara, einer griechisch-römischen antiken Stadt in der Nähe der nordjordanischen Siedlung Umm Qays.  Die Bauforscherin Claudia Bührig vom Deutschen Archäologischen Institut (DAI) aus Berlin hat das Projekt geleitet. Das Kulturerhalt-Programm des Auswärtigen Amtes unterstützt Jordanien seit 1981 bei der Erforschung seiner archäologischen Stätten. Neben dem DAI ist auch das Deutsche Evangelische Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes (DEIAHL) im Haschemitischen Königreich aktiv.

Jordanier und Syrer entdecken das Steinmetzhandwerk neu

Das Steinmetzhandwerk ist in Jordanien nahezu ausgestorben, hingegen in Syrien noch verbreitet. Durch den Krieg sind viele Syrer ins südliche Nachbarland Jordanien geflohen. Daher lag es nahe, direkt im Umfeld  der antiken Stadtanlage Gadaras eine handwerkliche Fortbildung für Teilnehmer aus beiden Ländern durchzuführen, um gemeinsam dieses wichtige Handwerk in einer steinreichen Region wiederzubeleben und zu erhalten. Mit einfachem Werkzeug – hölzerne Knüpfel, Fäustel, Prell-, Spitz- und Zahneisen – wird der Kalkstein aber auch der härtere Basaltstein wie vor zweitausend Jahren nur mit den Händen bearbeitet und es entstehen wie damals exakte und formschöne Bauelemente. Der praktische Teil wird von einem Steinmetzmeister und einem Bauforscher aus Deutschland angeleitet. Finanziert wird das Training aus den Sondermitteln „Flucht und Migration“ des Auswärtigen Amtes.

Mehr Bewusstsein für die eigene Geschichte  

Parallel hierzu und ebenso aus den genannten Sondermitteln finanziert, werden 17 jordanische und syrische Frauen und Männer als Museums- und Umm Qays Bild vergrößern (© DAI) Landschaftspädagogen ausgebildet. Museumsleiter und Lehrerinnen, Archäologen, Studentinnen und Dorfbewohnerinnen lernen mehr über Geschichte und Archäologie ihrer engeren Heimat. Unter Leitung deutscher Archäologen üben sie sich im Umgang mit Pfeil und Bogen, Speerschleudern, Feuermachen ohne Streichhölzer und anderen prähistorischen Techniken, deren Vermittlung vor allem auf Schulkinder und Touristen zielt. Die Fortbildung ist die Fortsetzung einer im Jahr 2012 begonnenen Initiative zu Bewusstseinsbildung und capacity building auf Grundlage nachhaltiger Kenntnisse zur eigenen Geschichte und Umwelt in Umm Qays.

Große Premiere war am 9. Oktober im Regionalmuseum in Irbid, wo die Kursteilnehmer zusammen mit der dortigen Museumsleitung ihr frisch gelerntes Wissen an syrische Flüchtlingskinder sowie an jordanische Schülerinnen vermitteln konnten. An weiteren Aktionstagen wurden über hundert Schulkinder aus Dörfern der näheren Umgebung von Umm Qays mit dem Konzept der Archäologie für Kopf, Herz und Hand vertraut gemacht.

Eine Fortsetzung beider Trainingsprogramme ist für das Frühjahr und Herbst 2017 geplant, damit die Teilnehmer am Erhalt und Wiederaufbau der Denkmäler mitwirken und ihren Wert und ihre Bedeutung angemessen an Bevölkerung und Touristen vermitteln können.

DAI Workshop

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