Das Kaiserliche Edikt des Anastasios I. in Hallabat

Zustand nach den Ausgrabungs- und Restaurierungsarbeiten Bild vergrößern (© Prof. Dr. Thomas Maria Weber)

Jordanisch-Europäisches Kulturerhalt-Programm in Hallabat 2013/2014

Das Mauerwerk des Ummayyadischen Wüstenschlosses in Halabat überliefert ein Dokument von ungewöhnlicher Bedeutung:

 Mehr als 160 wiederverwendete Basaltblöcke sind mit Bruchstücken eines einst zusammenhängenden griechen Textes über mehr als 300 Linien und in 70 Kapiteln beschriftet, die sich auf die Verwaltung der Ostgrenze des Byzantinischen Reiches, den Limes Orientalis, beziehen.  Die Entstehung dieses Gesetztestextes in der kaiserlichen Kanzlei zu Konstantinopel während der Regierung des Kaisers Anastasios I. (491-518) erkannte bereits eine Gruppe von Wissenschaftlern der Princeton University Archaeological Expedition im frühen 20. Jh. Damals konnte der Text nur in einigen Fragmenten zusammengestellt werden, da die Mehrzahl der Blöcke noch unter den verstürzten Steinen der Ruine des Schlosses verborgen waren. Eine größere Zahl von diesen kam zutage, als die jordanische Altertümerverwaltung unter der Leitung von Dr. Ghazi Bisheh zwischen 1979 und 1982 Reinigungs- und Ausgrabungsarbeiten in Hallabat durchführte. Die Lesung der damals neu entdeckten Inschriften wurde von dem französischen Forscher Jean Marcillet-Jaubert vorgenommen.

Ein neuer Anstoss, die Wiederherstellung des bedeutenden Textes voranzutreiben, ermöglichten die Ausgrabungen, Restaurierung und museale Aufbereitung der Funde, welche die Spanische Archäologische Mission unter der Leitung von Dr. Ignacio Arce mit Förderung durch die spanische Kooperation (AECID)  zwischen 2002 und 2013 durchführte. Dieses Projekt erlaubte die systematische Sammlung aller in Hallabat gefundenen Inschriftensteine dieses kaiserlichen Erlasses. 

Student mit neu gefundenem Inschriftenblock Bild vergrößern (© Prof. Dr. Thomas Maria Weber) In der Fortführung seiner Aktivitäten arrangierte Herr Dr. Arce eine Zusammenarbeit mit erfahrenen Inschriftenkundlern und Archäologen, um die textliche und physische Rekonstruktion des Ediktes auszuführen. Diese wird nun von Professor Denis Feissel im Rahmen des Projektes Inscriptions Grecques et Latines de la Syrie (IGLS) in Zusammenarbeit mit Professor Thomas M. Weber (The University of Jordan, DAAD) vorangetrieben. Einige überraschende Neufunde, die jordanische Studenten im November 2013 während eines von Prof. Weber gehaltennen Feldkurses sicherten, ergänzen die bisherigen Rekonstruktionsarbeiten.

Das Edikt überliefert einschlägige, bislang wenig bekannte Nachrichten über die militärische Verteidigung des Limes Orientalis vor der Arabischen Eroberung.  Es reguliert die Zuständigkeiten byzantinischer Beamter bei der Verwaltung der Diöcese Oriens. Außer der Rekonstruktion eines bedeutenden inschriftlichen Monuments im Kulturerbe Jordaniens wird der Text, den Denis Feissel veröffentlichen wird, einen wichtigen Beitrag zur Landesgeschichte liefern. Diese epigraphischen Forschungen, die einhergehen mit Untersuchungen von I. Arce und Thomas M. Weber zum ursprünglichen Standort der Inschrift, ihres architektonischen Kontextes und der historischen Verbindungen, werden ein besseres Verständnis jener noch nebulösen Übergangsperiode zwischen dem Ende der Byzantinischen Herrschaft und dem Ankunft des Islam erlauben.

In einer engen Allianz mit den jordanischen, spanischen und französischen Kooperationspartern entschied das Kulturerhalt-Programm des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland, Kopien der Edikt-Inschrift in Originalgröße für die öffentliche Präsentation an der Ruinenstätte in Hallabat, im Jordan Museum Amman und auf dem Campus der Jordanischen Universität Amman zu finanzieren. Die konservatorischen Maßnahmen und, damit verbunden, die Abformung der einzelnen Blöcke,  wurde in den Herbstmonaten 2013 von Frau Inga Vollmer vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz vorgenommen. Zugleich wird von spanischen Spezialisten eine virtuelle 3-D-Rekonstruktion zur Veranschaulichung für ein breiteres Publikum hergestellt. Die Arbeiten sollen im Laufe von 2014 abgeschlossen werden. Diese Initiative wird nicht nur eine angemessene Präsentation eines für die Geschichte Jordaniens so bedeutsamen Denkmals für die Allgemeinheit gestatten, sondern auch ein einzigartiges didaktisches Instrument für die Ausbildung jordanischer Studenten in der griechischen Inschriftenkunde zur Verfügung stellen.

Interessante Impressionen gibt die folgende Bildergalerie