Münzen vom Tall Zirā‘a online

Mit Hilfe des Kulturerhalt-Programms des Auswärtigen Amtes konnte das Deutsche Evangelische Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes (DEI) und das Biblisch-Archäologische Institut (BAI) Wuppertal in Zusammenarbeit mit dem Münzkabinett der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz Berlin einen interaktiven, digitalen Katalog der Münzen aus den Ausgrabungen auf dem Tall Zirā‘a (Nordjordanien) auf der Homepage www.tallziraa.de online stellen.

Vorderseite der Bronzemünze des römischen Kaisers Constantinus I. geprägt 328-329 n. Chr. in Siskia Bild vergrößern (© DEI + BAI)

Abb. 1 + 2: Vorder- und Rückseite der Bronzemünze des römischen Kaisers Constantinus I. geprägt 328-329 n. Chr. in Siskia

Münzen als Spiegel internationaler Beziehungen

Die Beschäftigung mit Münzen – die Numismatik – wird weltweit nicht nur von Wissenschaftlern, sondern auch von Millionen von Laien durchgeführt. Dies liegt zum einen an dem hohen ästhetischen Wert der Münzen. Zum anderen liefert der Umlauf von Geld Aufschluss über Wirtschaftsbeziehungen, Entwicklung und Niedergang von Kulturen und Handelsverbindungen. Durch diesen Handelsverkehr waren weit von einander entfernt liegende Regionen der Welt miteinander verbunden und so verbinden die antiken Münzen auch heute noch Menschen aus ganz unterschiedlichen Regionen der Erde. Ihnen Zugang zu Münzbeständen aus Ausgrabungen oder Museen, zu denen die Wissenschaftler und Laien niemals reisen könnten, in digitaler Form über das Internet zu verschaffen, ist ein großes Anliegen aller Münzsammlungen.

Rückseite der Bronzemünze des römischen Kaisers Constantinus I. geprägt 328-329 n. Chr. in Siskia Bild vergrößern (© DEI + BAI) Die moderne interdisziplinär arbeitende Numismatik stützt sich aber nicht nur auf Münzen, sondern auf eine Quellenvielfalt, zu der auch schriftliche Quellen gehören. Sie wird in Deutschland nicht nur an Museen, sondern auch an Universitäten und außeruniversitären Wissenschaftseinrichtungen intensiv betrieben.

Die Ausgräber vom Tall Zirā‘a in Nordjordanien möchten mit ihren für die regionalen Beziehungen im Orient hoch interessanten Münzen aus der Zeit vom 3. Jahrhundert v. Chr. bis zum 6. Jahrhundert n. Chr. dazu einen Beitrag leisten.

Das Ausgrabungsprojekt

2003 wurden die Ausgrabungen auf dem Tall Zirā‘a vom Biblisch-Archäologischen Institut (BAI) in Wuppertal unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Vieweger initiiert. Ziel des Projektes ist die Erforschung der Region um die Dekapolisstadt Gadara im Norden Jordaniens in archäologischer und siedlungsgeschichtlicher Hinsicht. Seit 2004 arbeiten das BAI und das DEI gemeinsam an diesem Projekt. Im Zentrum der Arbeiten stehen die Ausgrabungen auf dem Tall Zirā‘a, einem über 5000 Jahre lang besiedelten Hügel im Wadi al-Arab südlich von Gadara. Dieser Tall weist eine ununterbrochene Siedlungsabfolge von Städten und Dörfern auf. Da in der Region vergleichbare Siedlungsorte entweder modern überbaut sind oder nur wenige Siedlungsschichten aufweisen, ist die Arbeit auf dem Tall Zirā‘a eine einzigartige Gelegenheit, die Geschichte im nordjordanischen Raum neu zu beleuchten und in Beziehung zu den angrenzenden Gebieten Palästinas, Israels und Syriens zu setzen. Es handelt sich um ein Langzeitprojekt, das bis 2025 fortgesetzt werden soll.


Der Tall Zirā‘a im Norden Jordaniens von Gadara aus gesehen Bild vergrößern (© DEI + BAI)

Abb. 3: Der Tall Zirā‘a im Norden Jordaniens von Gadara aus gesehen

In den oberen Bereichen des Tall Zirā‘a wurde eine dichte Abfolge von 10 Schichten entdeckt, welche die Siedlungsreste von der hellenistischen bis zur umayyadischen Zeit (3. Jahrhundert v. Chr. bis 8. Jahrhundert n. Chr.) umfassen. Hier ist der Wandel von einer dörflichen Siedlung zu einem römisch-byzantinischen Landgut, das in islamischer Zeit noch ausgebaut wurde, zu fassen. Erstmalig wurde in Nordjordanien ein so großer Bereich von 3300 m² ausgegraben, der einen Überblick über die ländliche Besiedlung in der Umgebung einer antiken Stadt – in diesem Falle Gadara – liefert. Damit ist es möglich, die Beziehung zwischen Stadt und Umland, eine drängende Frage der modernen Siedlungsforschung, näher zu untersuchen.

Die Homepage www.tallziraa.de informiert über das Langzeitprojekt und alle aktuellen Aktivitäten rund um das „Gadara Region Project“ und die Ausgrabungen auf dem Tall Zirā‘a.

Die Münzen

Eine wichtige Fundgattung für die Auswertung der Ausgrabungen sind die Münzen. Sie helfen durch ihr meist sehr exakt zu bestimmendes Prägedatum, die einzelnen Siedlungsschichten zu datieren. Gleichzeitig ist der Aspekt der politischen und wirtschaftlichen Aussagen von großer Bedeutung, welche durch Münzen aufgrund ihrer Verbreitung getroffen werden können.

Auf dem Tall Zirā‘a wurden 120 Münzen gefunden, die einen Zeitraum vom 3. Jahrhundert v. Chr. bis in das 6. Jahrhundert n. Chr. umfassen. Sie geben Aufschluss über die Einbindung der Siedlungen dieser Zeit in das Wirtschaftsnetz nicht nur in Nordjordanien, sondern auch die angrenzenden Länder.

Gerade im Hinblick auf wirtschaftspolitische Fragen ist es von großer Bedeutung, die Münzen Wissenschaftlern unterschiedlicher Fachrichtungen (Numismatikern, Archäologen, Historikern, Wirtschaftswissenschaftlern etc.) weltweit zugänglich zu machen. Dabei ist es wichtig, nicht nur einzelne Münzen zu zeigen, sondern das gesamte Repertoire vorzustellen.

Aufgrund mangelnder finanzieller Mittel ist es vielen Wissenschaftlern – gerade auch in den Ländern des Nahen Ostens – nicht möglich, sich das Fundmaterial vor Ort anzusehen oder teure Publikationen anzuschaffen.

Aber nicht nur Spezialisten haben Interesse an altem Geld. Auch für die jordanische Bevölkerung und Touristen, die dieses Land bereisen, ist es spannend, sich ein Bild von der Vielfalt des Geldes, das hier über die Jahrhunderte im Umlauf war, zu machen. So sind auch einige Münzen aus den Ausgrabungen auf dem Tall Zirā‘a in der neuen Ausstellung des Jordan Museum zu sehen. Aber auch hier können nur wenige ausgewählte Stücke gezeigt werden.

Ein digitaler, interaktiver Katalog der Münzen vom Tall Zirā‘a

Das Internet bietet die einzigartige Möglichkeit, die Münzen vom Tall Zirā‘a wissenschaftlich exzellent und visuell hervorragend einem breiten Publikum zu präsentieren. Damit kann nicht nur der Wissenschaftler – wie bei den meisten Fachpublikationen – angesprochen werden, sondern eine breite Öffentlichkeit, die sich über Geld in der Antike informieren möchte.

Mit dem digitalen Katalog der Münzen vom Tall Zirā‘a wird erstmalig eine aus einer Ausgrabung in Jordanien stammende Münzsammlung vollständig online präsentiert.

Vorbild für diesen Katalog ist der interaktive Katalog des Münzkabinetts der Staatlichen Museen zu Berlin, das eine der größten numismatischen Sammlungen weltweit beherbergt.

Die Datenbank kann nach Münzherr, Prägestätte, Datierung, Wert der Münze, Material, Münzstand und Land abgefragt werden. Zudem ist jede Münze in hervorragender Qualität fotografiert. Die Münzen können so in ihrer filigranen Schönheit erlebt werden und es kann ein ganz neues Verhältnis zum alten Geld entdeckt werden.