Restaurierung von Keramikgefäßen vom Tell Zira'a

Keramikgefäß Tell Zira'a Bild vergrößern Kanne aus der römischen Zeit vom Tall Zira'a vor und nach der Restaurierung (© DEIAHL Amman)

Restaurierung von Keramikgefäßen aus der Ausgrabung auf dem Tall Zira'a in Nordjordanien

Eine der bedeutendsten Ausgrabungen in Nordjordanien der letzten Jahre wurde auf dem 5000 Jahre lang besiedelten Tall Zira'a unternommen. Sie wird vom Biblisch-Archäologischen Institut in Wuppertal und vom Deutschen Evangelischen Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes (DEIAHL), zugleich Forschungsstelle des Deutschen Archäologischen Instituts unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Dieter Vieweger und Dr. Jutta Häser durchgeführt. Die Grabungen sind Teil des interdisziplinären „Gadara Region Project“, das sich mit der Siedlungsgeschichte im Umland der antiken Stadt Gadara befasst.

Neben der Erforschung politischer und wirtschaftlicher Umbrüche und der Lebensweise der Bevölkerung unter politisch und ökologisch veränderten Bedingungen wird auch die Technik- und Handwerksgeschichte betrachtet. So werden an den Funden der Ausgrabungen naturwissenschaftliche Analysen durchgeführt, die Aufschluss über die Herkunft der Objekte, die verwendeten Materialien und ihre Herstellungstechnik liefern. Dabei spielt die Keramik als Untersuchungsschwerpunkt eine besondere Rolle, da sie in allen Zeiten und stets in großen Mengen (bislang 350.000 Scherben) vorkommt. Bei den bisherigen Untersuchungen stellte sich heraus, dass es neben Gefäßen, die aus Zypern und Ägypten importiert wurden, oder solchen, die aus den benachbarten Regionen der südlichen Levante stammen, über Jahrhunderte hinweg auch eine Produktion von Keramikgefäßen am Tall Zira'a und in dessen direkter Umgebung gab.

Da diese Gefäße aus den aufeinander folgenden Dörfern und Städten auf dem Tall Zira'a aller Perioden – von der Frühen Bronzezeit im 4. Jahrtausend v. Chr. bis in die mamelukische Zeit im 16. Jahrhunderts n. Chr. - stammen, kann an diesen Objekten die technische Entwicklung der Keramikproduktion und der Erfindergeist der Bewohner der Region besonders gut dargestellt werden. In einem am Tall Zira'a durchgeführten Experiment wurde die Herstellungstechnik der Bronzezeit und Eisenzeit (ca. 1500 bis 800 v. Chr.) mit örtlichen Materialien (z. B. Tonen) und mit einem Nachbau eines Brennofens aus dieser Zeit nachempfunden. Durch die Untersuchungen und die Experimente kann ein guter Überblick zur Entwicklung der Keramikherstellung vor Ort erfolgen.

Um diese einzigartigen Ergebnisse einem breiteren Publikum vorzustellen, ist es notwendig, nicht nur Scherben zu präsentieren, sondern vollständige Gefäße. Da aber fast alle Keramikgefäße in Form von Scherben gefunden werden, weil sie in zerstörten Häusern entdeckt wurden, müssen ausgewählte Gefäße rekonstruiert werden. Nur so ist es dem Betrachter einsichtig zu machen, wofür ein Gefäß benutzt wurde, welche Eigenschaften es dafür haben musste und wie es hergestellt wurde.

Diese Darstellung soll in einer geplanten Sonderausstellung im neuen Jordan Museum“ in Amman einen breiten Raum einnehmen, weil sie in dieser Form und historischen Tiefe noch nie in Jordanien gezeigt wurde. Hierfür wurden 30 Gefäße aus der Bronze-, Eisen- und römischen Zeit mit unterschiedlichen Funktionen (Vorratsgefäße, Kochtöpfe, kleine Kannen, Schalen) mit Hilfe des Kulturerhalt-Programms des Auswärtigen Amtes restauriert. Zusammen mit dem schon vorhandenen Inventar kann die gesamte Bandbreite des (Küchen-)Inventars und seines Wandels durch die Zeiten dargestellt werden.

Die Gefäße können nach der Sonderausstellung entweder in die permanente Ausstellung des Jordan Museum“ in Amman eingehen oder auch in den verschiedenen Regionalmuseen (Umm Qais, Irbid Dar as-Saraya, Museum an der Yarmouk-Universität in Irbid) gezeigt werden.

Webseite zum Tell Zira'a in Nordjordanien