Archäologie als Bildungsprojekt – Deutsches Team macht Geschichte für jordanische Schulkinder begreifbar

Die Teilnehmer genießen den schönen Blick Bild vergrößern (© Claudia Bührig)

Klack, klack, klack... ein merkwürdiges, metallisches Geräusch hallt über die steilen Kalksteinfelsen am Yarmoukfluss in Nordjordanien mit Blick auf die Golanhöhen und den See Genezareth. Etwa dreißig Kinder drängen sich um eine kleine Feuerstelle. Hier wird vom Experimentalarchäologen Frank Andraschko von der Universität Hamburg zusammen mit dem Naturreservat-Guide Ahmad al-Omari Feuer mit Stein, Stahl und Zunder gemacht wie vor zweitausend Jahren. Gleichzeitig erklären die Bauhistorikerin Claudia Bührig vom Deutschen Archäologischen Institut in Berlin und der Lehrer Emad al-Omari im Naturpark-Infozentrum des „Yarmouk Nature Reserve“ der jordanischen Naturschutzgesellschaft einer anderen Schulklasse aus dem benachbarten Dorf Umm Qays wie Archäologen arbeiten und wie die Menschen hier vor zehntausend oder zweitausend Jahren gelebt haben. Wie wurde gejagt, Schmuck hergestellt, Wasser gespeichert, Häuser, Tempel, Festungen gebaut? Diese und andere Fragen zu ihrer Arbeit haben die deutschen Forscher über zweihundert jordanischen Kindern in einer ganz besonderen Projektwoche vom 15. bis 23. April 2015 beantwortet. In einem hands-on-workshop wurde in der faszinierenden Natur des „Yarmouk Nature Reserve“ Feuer ohne Streichhölzer gemacht, mit Pfeil und Bogen wie vor zehntausend Jahren geschossen oder Schmuck aus Ton hergestellt und im offenen Feuer gebrannt.

Ein Anlass für dieses nachhaltige erlebnispädagogische Programm, das erstmals in dieser Form in einem arabischen Archäologie in der Praxis auch für die ganz Kleinen! Bild vergrößern (© Lisa Berger) Land stattfand, ist der 50. Jahrestag des Beginns der deutschen Ausgrabungen im antiken Gadara, dem heutigen Umm Qays, an der jordanisch-syrisch-israelischen Grenze. Gefördert von der Kulturerhalt-Programm des Auswärtigen Amtes und dem Deutschen Archäologischen Institut (DAI) werden die wissenschaftlichen Ergebnisse der Ausgrabungen des DAI am Ort der örtlichen Bevölkerung hautnah und unmittelbar vermittelt. Wichtige jordanische Partner sind das örtliche „Gadara 'Umm Qays' Cultural Forum“, die Naturschutzgesellschaft „Royal Society for The Conservation of Nature (RSCN)“ und das Department of Antiquity of Jordan. Höhepunkt der Veranstaltung war der 23. April 2015 mit dem Zusammenkommen der Eltern, Kinder, offiziellen Vertreter und Veranstalter im alten Dorfmittelpunkt. Vor über 300 Besuchern eröffnete der Kulturattaché der Deutschen Botschaft Amman die kindgerechte Begleitausstellung.

Als bleibende Erinnerung erhielt jeder Schüler den „Children's Guide to Gadara“, eine farbige, 44-seitige Infobroschüre in arabisch/deutsch/englischer Sprache, die auch wesentliche kulturtouristische Informationen enthält (erhältlich über Deutsches Archäologisches Institut Orient-Abteilung, Berlin).

Alle an der Aktionswoche Beteiligte sind sich einig, dass diese praxisorientierte Vermittlung archäologischer Forschungserkenntnisse einen wichtigen Beitrag zur deutsch-jordanischen Zusammenarbeit leisten kann. Eines der größten jordanischen Museen – das Children´s Museum of Jordan in Amman – hat schon großes Interesse an der Weiterentwicklung dieses Projektes signalisiert.

Dieser Text stammt von:

Dr. Ing. Claudia Bührig

c/o Deutsches Archäologisches Institut, Orient-Abteilung Projekt Gadara/Umm Qays (Jordanien)

Dr. Frank Andraschko

Universität Hamburg, Archäologisches Institut

Aufführung Bild vergrößern (© Lisa Berger)